OMP/1 — Open Mandate Protocol · v0.5.2
Das Profil, das die Agent-Standards juristisch bindet
Die Agent Economy hat 2026 ihre Standards gefunden: AP2 regelt Zahlungs-Mandate unter FIDO-Governance, XAA regelt Agenten-Identität über App-Grenzen, EUDI-Wallet und Schweizer E-ID liefern die staatliche Identitäts-Wurzel. Was keiner davon beantwortet: Was darf dieser Agent im Namen welcher Rechtsperson tun — und wer beweist es vor Gericht? Genau dafür existiert OMP.
Profil, nicht Konkurrenz
Die grossen Standards sind besetzt und neutral regiert: AP2 bei der FIDO Alliance, MCP bei der Linux Foundation, XAA als offenes Okta-Protokoll. OMP tritt nicht gegen sie an — es definiert, wie Vollmachten mit Rechtswirkung darauf aufsetzen: AP2-Payment-Mandate werden als payment.*-Subtyp gekapselt, XAA-Identitäten tragen OMP-Mandate nach aussen, EUDI- und E-ID-Wallets liefern die Identitäts-Wurzel.
Juristisch zuerst
Jedes Mandat referenziert einen geprüften, versionierten Rechtstext (OR 32 ff., BGB 164 ff.), per SHA-256 untrennbar gebunden. contract.sign ist bewusst ausgeschlossen — die Abschluss-Signatur gehört dem Menschen (QES). Kein anderer Standard der Agent-Economy trägt diese Schicht.
Beweis als Pflicht
Verifier müssen den Mandats-Status live prüfen (Cache-Control: no-store); jeder Entscheid trägt genau einen Primärcode aus 19 stabilen MD-Codes und einen signierten Beleg. Die Evidence-Kette ist append-only und hash-verkettet — auf Datenbank-Ebene erzwungen.
Offen und übertragbar
Schema, Taxonomie (27 Aktionen, 9 Domänen), Fehlercodes und Statussemantik sind öffentlich dokumentiert. Die Governance ist auf Übergabe an ein neutrales Gremium ausgelegt — nach dem Vorbild von AP2 und MCP.
Andock-Punkte (implementiert, nicht angekündigt)
- MCP: Mandate als Tools für jeden MCP-fähigen Agenten — fünf Tools, kompletter Lebenszyklus über Stdio verifiziert.
- OAuth/RAR (RFC 9396): Preview — deaktiviert. Die Route
/v1/oauth/tokenantwortet mit410 Gone. Der Token-Store lag im Prozessspeicher und war nicht mehrinstanzfähig; der Verifier wurde nicht an die Anfrage gebunden. Nutzen Sie/v1/verify. - AP2: Payment-Mandate reisen als payment.*-Subtyp durch die Verify-Engine — eine Prüfung, ein Beleg, beide Welten.
- AgentryGov: Anomalie-Signale suspendieren Mandate automatisch — Beobachten und Befugen als ein System.
Mandact Authority Token (MAT 1.0)
Jede Prüfung erzeugt einen signierten, selbstbeschreibenden Beleg. Wer ihn erhält, kann ihn verifizieren, ohne Mandacts Innenleben zu kennen — die Claims werden in fester Reihenfolge kanonisiert, damit dieselben Angaben immer dieselben Bytes ergeben.
{
"typ": "MAT-1.0",
"alg": "HS256",
"jti": "rcpt_01H…",
"iss": "mandact",
"decision": "deny",
"reasons": ["MD-302"],
"action": "purchase.goods",
"amount": { "value": 4200, "currency": "CHF" },
"mandate_id": "mnd_01H…",
"issued_at": "2026-07-18T09:14:22Z",
"signature": "…"
}Ein MAT ist kein Zugriffstoken — er berechtigt zu nichts. Er bezeugt eine Entscheidung zu einem Zeitpunkt. Und er ersetzt keine qualifizierte Signatur: Die Rechtswirkung kommt von einem Vertrauensdiensteanbieter, nicht von Mandact.
Ablehnungsgründe — fünf Klassen
Jede Ablehnung trägt einen maschinenlesbaren Code. Die Klassen trennen, woran es lag:
- 1xx — Format und Signatur (
MD-101invalid_signature) - 2xx — Mandatsstatus (
MD-201revoked) - 3xx — Befugnisgrenzen (
MD-302amount_exceeds_limit) - 4xx — Eskalation (
MD-401escalation_required,MD-404human_signature_required) - 5xx — Verifier-Policy (
MD-503verification_level_insufficient)
Die 5xx-Klasse macht das Modell zweiseitig: Nicht nur der Vollmachtgeber setzt Grenzen, sondern auch die Akzeptanzstelle. Sie kann eine Mindest-Identitätsstufe verlangen oder eine Attestierung fordern.
Zwei Codes folgen weder aus dem Mandat noch aus der Policy, sondern aus dem Recht: MD-404 verlangt eine menschliche Unterschrift, wo eine Formvorschrift die elektronische Form nur mit qualifizierter Signatur zulässt — und die steht ausschliesslich natürlichen Personen zu. MD-405 lehnt ab, wo öffentliche Beurkundung nötig ist; dort hilft auch keine Freigabe. Beide lassen sich durch kein Mandat abbedingen.
MD-504 bewertet, was sich seit der Ausstellung geändert hat — ein kompromittierter Schlüssel, eine ausgeschiedene Person. Es ist kein Widerruf: Angehalten wird die einzelne Anfrage, das Mandat bleibt gültig. Ein Widerruf gehört der mandatsgebenden Person, nicht einem Schwellwert.