Für Vertrauensdiensteanbieter

Zwei Dinge, die nur zusammen funktionieren.

Die qualifizierte elektronische Signatur steht ausschliesslich natürlichen Personen zu (Art. 14 Abs. 2bis OR). Ein KI-Agent kann sie nicht leisten — nicht heute, nicht mit besserer Technik. Das ist keine Lücke im Produkt, sondern Rechtslage.

Daraus folgt eine Arbeitsteilung, die keine Seite allein bedienen kann.

Was Mandact leistet

  • Erkennt formgebundene Handlungen: 49 von 123 Handlungstypen verlangen eine menschliche Unterschrift, 4 sind einem Agenten kategorisch verschlossen.
  • Stoppt den Agenten vor der Ausführung und legt die Handlung einem Menschen vor — mit Begründungscode, nicht mit einer Fehlermeldung.
  • Führt die Beweiskette, hash-verkettet und ohne Datenbankzugriff nachrechenbar.
  • Trägt an jedem Eintrag sein Hashverfahren, damit ein Beweis von 2027 im Jahr 2037 noch zuzuordnen ist.

Was ein Vertrauensdienst leistet

  • Die qualifizierte Signatur des Menschen, der freigegeben hat — rechtlich der eigenhändigen Unterschrift gleichgestellt.
  • Den qualifizierten Zeitstempel auf den Wurzel-Hash der Beweiskette. Ab dann lässt sich kein früherer Eintrag mehr ändern.
  • Die Identität mit belegtem Vertrauensniveau, gegen die eine Freigabe zugerechnet werden kann.
  • Die Akkreditierung, die einen Beleg gegenüber Dritten trägt — nicht nur gegenüber der eigenen Revision.

Der Andockpunkt ist gebaut

Der Adapter für RFC 3161 und OASIS DSS über mTLS existiert im Referenzcode. Er überträgt ausschliesslich den Hash, nie die Daten. Er ist nicht in Betrieb: Die Anbindung an einen akkreditierten Dienst steht aus. Ohne konfigurierten Anbieter bleibt die Anker-Tabelle leer — ein simulierter Zeitstempel wäre schlimmer als gar keiner.

Die Eskalation ist der Übergabepunkt

Wenn Mandact eine formgebundene Handlung anhält, entsteht ein Vorgang mit allem, was eine Signatur braucht: die konkrete Handlung, ihr Hash, die Rechtsgrundlage, der Rechtsraum und die Person, die entscheiden soll. Der Vertrauensdienst setzt genau dort an — er muss nichts über Agenten wissen.

Langzeitgültigkeit ist beidseitig

Ein Zeitstempel trägt nur, solange sein Verfahren trägt. Mandact hält fest, womit jeder Eintrag gebildet wurde, und unterscheidet einen Anker aus der Zeit vor einem Verfahrensbruch von einem danach — der zweite rettet nichts. Ohne diese Unterscheidung ist ein Archiv nur ein Log mit Prüfsummen.

Was hier nicht behauptet wird

Mandact ist kein Vertrauensdienst und wird keiner. Es verhindert keine Handlung physisch, es signiert nichts qualifiziert, und der Zeitstempel stammt heute aus der eigenen Datenbank. Diese Grenzen stehen in KNOWN_LIMITATIONS.md und werden von einem Test überwacht, der das Gate rot macht, wenn eine Seite mehr behauptet.

Ein Beispiel

Ein HR-Agent soll ein Arbeitsverhältnis in Deutschland kündigen.

  1. Mandact erkennt: § 623 BGB schliesst die elektronische Form aus — auch die QES.
  2. Antwort escalate, Code MD-404, Grund legal_form. Das lässt sich durch kein Mandat abbedingen.
  3. Ein Mensch bekommt den Vorgang vorgelegt — mit Hash, Rechtsgrundlage und Rechtsraum.
  4. Er unterschreibt. Hier setzt der Vertrauensdienst an.
  5. Der Beleg hält beides fest: dass der Agent befugt war, und dass ein Mensch signiert hat.

Das Argument ist keines: Bei jeder formgebundenen Handlung im DACH-Raum ist die qualifizierte Signatur gesetzlich zwingend. Ein Agent kann sie nicht leisten. Mandact erkennt diese Handlungen und stoppt ihn. Die Signatur kommt von Ihnen.

Das ist kein Verkaufsargument. Das ist eine Rechtslage.